Warum Keller riechen und was du zuerst prüfen solltest
Kellergeruch ist fast nie „einfach alt“, sondern eine Mischung aus Feuchte, schlechter Luftzirkulation und organischen Materialien (Pappe, Holz, Textilien), die in der falschen Umgebung lagern. Wenn du den Keller als Lager, Waschkeller oder sogar als Hobbyraum nutzen willst, brauchst du zwei Dinge: eine stabile, niedrigere Luftfeuchte und eine Lagerlogik, die nichts mehr „muffig“ werden lässt.
Wichtig: Bevor du Geld in Regale, Boxen oder Farben steckst, kläre, ob du ein Feuchteproblem von außen (drückendes Wasser, undichte Wand) oder von innen (falsches Lüften, Kondensation) hast. Das entscheidet über die Maßnahmen.
Ein guter Start ist immer: messen statt raten. Eine kleine Investition in Hygrometer und ggf. Datenlogger spart dir Wochen Trial-and-Error.
- Hast du an mehreren Stellen sichtbare Salzausblühungen oder abplatzenden Putz? Das spricht eher für Feuchteeintrag durch Mauerwerk.
- Riecht es besonders nach dem Lüften im Sommer schlimmer? Typisch für Kondensation durch warme Außenluft auf kalten Kellerflächen.
- Gibt es schwarze Punkte in Ecken, hinter Schränken, an Deckenbalken? Hinweis auf Schimmel durch stehende Luft und hohe Oberflächenfeuchte.
- 2x digitales Hygrometer (für zwei Zonen) - ca. 20-40 EUR
- 1x Datenlogger (optional) für 7-30 Tage Verlauf - ca. 30-80 EUR
- 1x kleiner Ventilator (Umluft, 20-30 cm) - ca. 25-50 EUR
- 2-4x Euroboxen mit Deckel (60×40 cm) - ca. 40-100 EUR
- 1x Geruchsneutralisierer auf Aktivkohle-Basis - ca. 10-25 EUR
- Dichtband + Bürstendichtung für Kellertür (falls zugig) - ca. 15-40 EUR

Feuchte messen: Zielwerte und typische Keller-Zonen
Ein Keller ist selten überall gleich. Neben der Außentür ist es oft wärmer und trockener, in Außenecken kälter, nahe Bodenabläufen feuchter. Darum mindestens zwei Messpunkte setzen: einen „Problemwinkel“ und einen „Durchschnittspunkt“ (z.B. mittig).
Zielwerte, mit denen du arbeiten kannst
- Relative Luftfeuchte (rF): dauerhaft unter 60 Prozent ist komfortabel fürs Lagern. 60-70 Prozent ist „kritisch, aber machbar“ mit guter Lagerung. Über 70 Prozent ist dauerhaft Schimmelrisiko, besonders an kalten Flächen.
- Temperatur: Je kälter die Oberfläche, desto schneller kondensiert Feuchte. 12-16 Grad sind häufig und nicht „falsch“, aber das Lüften muss dazu passen.
So misst du praxisnah (ohne Labor)
- Hygrometer nicht direkt an die Außenwand hängen, sondern 20-50 cm Abstand, ca. 1,2-1,5 m Höhe.
- 7 Tage Verlauf anschauen (morgens, abends) oder mit Datenlogger. Ein einzelner Wert sagt wenig.
- Zusatzcheck: Fühlt sich eine Wand „klamm“ an und ist die Ecke kälter? Dann ist die Oberflächenfeuchte entscheidend, nicht nur die Luftfeuchte.
Richtig lüften im Keller: Sommer-Falle vermeiden
Der häufigste Praxisfehler in deutschen Kellern: im Sommer tagsüber die Fenster auf. Warme Außenluft trägt viel Feuchtigkeit. Trifft sie auf kühle Kellerwände, kühlt sie ab und Wasser kondensiert. Ergebnis: nach dem Lüften riecht es schlimmer, Kartons ziehen Feuchte, Schimmel startet hinter Regalen.
Faustregeln, die funktionieren
- Sommer: Lüften früh morgens oder spät abends, wenn es draußen kühler ist als drinnen. Fenster nicht „auf Kipp“ den ganzen Tag.
- Winter: Kurzes Stoßlüften ist meist sehr effektiv, weil kalte Außenluft wenig absolute Feuchte trägt. 5-10 Minuten reichen oft.
- Nach Regen: Wenn draußen schwül ist, lieber geschlossen lassen. „Frische Luft“ ist dann Feuchte-Lieferant.
Wenn du planbar Luftwechsel willst
Für viele Keller reicht eine einfache Kombination aus Zeitfenster-Lüften und Umluft gegen stehende Ecken.
- Stelle einen kleinen Ventilator so, dass er parallel zur Außenwand bläst (nicht direkt drauf), um Ecken zu entkoppeln.
- Halte 10-15 cm Abstand zwischen Regal und Außenwand, damit Luft zirkulieren kann.
- Bei sehr feuchten Kellern: mobiler Luftentfeuchter (Kompressor) ist oft die schnellste wirksame Lösung. Für 20-40 qm Kellerfläche realistisch 200-350 EUR, Strom je nach Laufzeit. Stelle ihn nicht direkt in die kälteste Ecke, sondern in die „Mitte“ mit Luftbewegung.
Geruch entfernen: erst Ursache, dann Oberfläche
Geruch sitzt in Materialien. Wenn du nur „überparfümierst“, kommt er zurück. Vorgehen wie in der Praxis bei Mietkellern: erst feuchte Quellen reduzieren, dann belastete Dinge aussortieren, dann Flächen reinigen.
Schritt-für-Schritt in 90 Minuten Startaufwand
- Alles Organische raus: Kartons, alte Teppiche, Textilien, Pressspanreste. Wenn es mufft, entsorgen oder in dichte Boxen umziehen.
- Trocken reinigen: Spinnweben, Staub, lose Partikel entfernen. Feuchtes Wischen auf staubigem Kellerboden macht oft nur „Schlammfilm“.
- Nass reinigen: Boden mit mildem Reiniger, Wände nur dort, wo abwischbar. Keine aggressiven Chloraktionen als Standard.
- Aktivkohle statt Duft: Schalen oder Beutel in Regalen, besonders bei Textil- oder Holzgeruch.
Wann du Schimmel ernsthaft behandeln (oder prüfen lassen) solltest
- Wenn du wiederkehrende schwarze Punkte in Ecken hast, trotz Lüften und Umluft.
- Wenn Putz abplatzt und darunter feucht-sandig ist.
- Wenn der Geruch in den Wohnbereich zieht (Treppenhaus, Erdgeschoss).
Dann ist oft ein baulicher Anteil dabei (Wärmebrücke, undichter Anschluss, Außenabdichtung). In Mietwohnungen: dokumentieren (Fotos, Messwerte), Vermieter informieren, nicht eigenmächtig „abdichten“ und damit Feuchte einsperren.
Stauraum im Keller: so lagerst du ohne Muff und ohne Schädlinge
Viele Keller werden erst dann zum Problem, wenn man „alles irgendwie abstellt“. Die Lösung ist weniger Deko, mehr System: weg vom Boden, weg von Außenwänden, weg von Pappe.
Die robuste Lagerlogik (funktioniert in Altbau wie Neubau)
- Alles hoch: mindestens 10 cm Bodenfreiheit. Ideal: Metallregale mit verstellbaren Böden.
- Abstand zur Wand: 10-15 cm, damit Ecken nicht „tot“ werden.
- Geschlossene Behälter: Euroboxen mit Deckel oder dicht schließende Kunststoffboxen. Keine Umzugskartons als Dauerlösung.
- Textilien nur luftdicht: Vakuumbeutel plus Box, sonst nehmen sie Geruch auf.
- Papierarchiv: in Kunststoffboxen mit Dichtung, zusätzlich Silicagel-Beutel. Papier ist dein Feuchte-Indikator: wellig heißt zu feucht.
Was du im Keller besser nicht lagerst
- Elektronik in Kartons (zieht Feuchte, Korrosion an Kontakten).
- Kindersachen aus Textil ohne Verpackung (nehmen Geruch an, schwer rauszubekommen).
- Offene Lebensmittel (zieht Mäuse, Motten). Wenn Vorräte, dann nur dicht und erhöht.
Kleine bauliche Maßnahmen mit großer Wirkung (ohne Komplettsanierung)
Oft reichen 2-3 gezielte Eingriffe, statt alles neu zu verputzen. Ziel ist: Feuchtepfade reduzieren und Kondensation entschärfen.
1) Tür- und Fensterfugen prüfen
- Wenn es stark zieht, kommt feuchte Außenluft unkontrolliert rein (im Sommer problematisch).
- Bürstendichtung unten an der Tür und Dichtband an Anschlägen verbessert Steuerbarkeit.
2) Kondensations-Hotspots entschärfen
- Regale aus Holz direkt an kalter Wand: ersetzen durch Metall oder Abstandshalter.
- Sehr kalte Ecke: Umluftventilator oder Regal „umdrehen“, damit Luft durchgeht.
- Rohrleitungen: kalte Wasserrohre können „schwitzen“. Rohrisolierung (Armaflex-ähnlich) reduziert Tropfenbildung.
3) Boden und Wände nicht „versiegeln“ ohne Konzept
Typischer Fehler: dichte Farben/Putze, die Feuchte im Mauerwerk einsperren. Wenn du streichst, dann diffusionsoffen und nur, wenn der Untergrund trocken ist. Bei Salzausblühungen: erst Ursache klären, sonst blüht es durch jede Farbe.

Wenn du den Keller als Hobbyraum oder Homeoffice nutzen willst
Sobald Menschen länger im Keller sind, werden Luftqualität und Oberflächentemperaturen wichtiger. „Nicht muffig“ reicht dann nicht. Plane das wie einen kleinen Raum: Licht, Strom, Luft, Wärme, Akustik.
Pragmatisches Setup für 10-20 qm
- Licht: helle LED-Deckenleuchte (4000 K neutralweiß) plus Arbeitsplatzleuchte. Keller braucht mehr Lumen als Wohnräume, weil Wände oft dunkler sind.
- Wärme: kleine Infrarot-Heizplatte oder Radiator nur bei Nutzung. Dauerheizen ohne Abdichtung ist teuer.
- Luft: Entfeuchter mit Hygrostat auf 55-60 Prozent rF, plus Umluft gegen Ecken.
- Boden: schwimmende Klick-Vinyl-Lösung nur, wenn der Boden trocken bleibt. Sonst lieber robuste Gummimatten oder beschichtete Fliesenflächen.
Geruchsübertrag in die Wohnung verhindern
- Kellertür dicht einstellen, ggf. Dichtung erneuern.
- Keine offenen Textilien in Treppennähe lagern.
- Wenn möglich: Luftstrom so planen, dass Kellerluft nicht ins Treppenhaus drückt (z.B. nicht „Dauerlüften“ bei offener Tür).
Podsumowanie
- Erst messen: mindestens 2 Hygrometer, 7 Tage Verlauf.
- Sommer: nur morgens/abends lüften, kein Dauer-Kipp.
- Geruch: organische Lagerware raus, dann reinigen, Aktivkohle statt Duft.
- Stauraum: weg vom Boden, Abstand zur Außenwand, Boxen statt Kartons.
- Kleine Maßnahmen: Dichtungen, Umluft, Rohrisolierung, gezielt entfeuchten.
FAQ
Welche Luftfeuchte ist im Keller „okay“?
Für Lagerung sind dauerhaft unter 60 Prozent rF ideal. 60-70 Prozent geht, wenn du keine Kartons/Textilien offen lagerst und für Luftbewegung sorgst. Über 70 Prozent ist dauerhaft kritisch.
Warum wird es nach dem Lüften im Sommer oft schlimmer?
Warme Außenluft enthält viel Feuchtigkeit. Im kühlen Keller kühlt sie ab und Wasser kondensiert an Wänden und Gegenständen. Darum im Sommer nur lüften, wenn es draußen kühler ist als im Keller.
Hilft ein elektrischer Luftentfeuchter wirklich?
Ja, wenn die Ursache vor allem Kondensation und hohe Raumluftfeuchte ist. Stelle das Gerät zentral, nutze einen Hygrostat (z.B. 55-60 Prozent) und sorge für Luftzirkulation. Bei dauerhaft nassem Mauerwerk ersetzt er keine Abdichtung, kann aber die Nutzung deutlich verbessern.
Kann ich Kartons im Keller lassen, wenn ich oft lüfte?
In den meisten Kellern ist Pappe die erste, die muffig wird. Besser: Kunststoffboxen mit Deckel. Kartons höchstens kurzzeitig und nicht an Außenwänden oder am Boden.