Warum ein offenes Regal als Raumteiler oft besser funktioniert als Paravent oder Schrank
Ein offenes Regal trennt Zonen, ohne Licht zu schlucken. In typischen deutschen Grundrissen (Wohn-Essbereich 20 bis 35 m², Altbau mit Durchgangszimmer, Neubau mit offener Küche) ist das oft die einfachste Möglichkeit, „Räume“ zu schaffen, ohne zu bauen.
Der Vorteil gegenüber einem Schrank: du bekommst Stauraum, Blickschutz und eine optische Achse, die nicht wie eine Wand wirkt. Gegenüber einem Paravent ist es stabiler, leiser (kein Klappern) und nutzt die Fläche doppelt.
Damit es nicht nach Chaos aussieht, braucht es aber eine klare Planung: Tiefe, Fachhöhen, Standfestigkeit, Kabelwege und eine Seite, die „schön“ bleibt.
- Checkliste (Ja/Nein): Passt ein Raumteiler-Regal zu deinem Raum?
- Kannst du mindestens 90 cm Durchgang an der Engstelle frei lassen?
- Ist die Stelle frei von Heizkörpern, die nicht verdeckt werden sollen?
- Hast du eine Lösung für Kabel (Steckdose in der Nähe oder Kabelkanal im Regal)?
- Kannst du das Regal gegen Kippen sichern (Wand, Decke oder breiter Sockel)?
- Bist du bereit, eine Seite „repräsentativ“ zu halten (weniger Kram, mehr Boxen)?
- Kannst du die Regal-Tiefe zur Nutzung passend wählen (nicht nur „was gerade da ist“)?

Der richtige Standort: Laufwege, Licht und Blickachsen
Der Standort entscheidet, ob der Raum größer oder kleiner wirkt. Ein Regal, das quer in den Raum gestellt wird, erzeugt Zonen, kann aber auch Laufwege zerstören. Geh das wie bei einer Küchenplanung an: zuerst Wege, dann Möbel.
Praxis-Regeln für Laufwege
- Hauptlaufweg: 100 bis 120 cm sind komfortabel (zwei Personen kommen vorbei). Minimum: 90 cm.
- Nebenwege: 70 bis 80 cm gehen, wenn dort selten jemand vorbeigeht.
- Vor Sitzmöbeln: 40 bis 50 cm als „Knieraum“ vor Sofa oder Sessel, sonst fühlt es sich gedrängt an.
Licht nicht abschneiden
- In Altbauwohnungen mit hohen Fenstern: Regal so positionieren, dass Fensterlicht seitlich an den Sitzbereich kommt.
- In Neubauten mit bodentiefen Fenstern: lieber parallel zur Fensterfront zonieren, nicht direkt davor.
- Wenn du eine dunkle Ecke abtrennst (Home-Office in Wohnnische): plane direkt eine eigene Leuchte für diese Zone.
Blickschutz: gezielt, nicht komplett
Ein Raumteiler-Regal muss nicht dicht sein. Oft reichen 60 bis 70 Prozent „Füllung“ (Körbe, Bücher, geschlossene Boxen), der Rest bleibt offen. Das wirkt leichter und ist im Alltag einfacher sauber zu halten.
Maße und Konstruktion: So wird das Regal stabil und nicht wackelig
Die häufigste Enttäuschung: ein hohes, schmales Regal kippt oder schwingt. Gerade in Haushalten mit Kindern oder Haustieren ist das ein No-Go. Stabilität ist keine Kür, sondern Pflicht.
Faustwerte für Tiefe und Höhe
- Regaltiefe 30 bis 35 cm: ideal für Bücher, Boxen, Deko, leichte Trennung.
- Regaltiefe 40 bis 45 cm: besser, wenn du Ordner, Technik, größere Körbe oder Pflanzen integrierst.
- Höhe 120 bis 140 cm: trennt gut, bleibt aber „kommunikativ“ (du siehst drüber hinweg).
- Höhe 160 bis 200 cm: mehr Stauraum, deutlich stärkerer Raumtrenner, erfordert fast immer Kippsicherung.
Standfestigkeit: 4 praxiserprobte Lösungen
- Breiter Sockel (beste Mietlösung): Sockelplatte 5 bis 10 cm größer als Regalgrundfläche, rutschhemmende Pads darunter.
- Wandfixierung: oben 1 bis 2 Winkel an tragfähiger Wand. In Mietwohnungen: sauber dübeln, beim Auszug fachgerecht schließen.
- Deckenverspannung: bei hohen Regalen als Raumteiler mitten im Raum. Funktioniert gut, sieht aber technischer aus.
- Rückwand partiell: einzelne Felder mit dünner Rückwand (MDF/HDF). Das erhöht die Aussteifung deutlich und schafft Blickschutz.
Materialwahl: realistisch für Budget und Alltag
Für ein Raumteiler-Regal zählt nicht nur Optik, sondern auch Verzug und Kratzfestigkeit.
- Melaminbeschichtete Spanplatte: günstig, pflegeleicht, aber Kanten müssen sauber verarbeitet sein (Stoßschutz).
- Multiplex (Birke): sehr stabil, hochwertig, gut für DIY und sichtbare Kanten. Preis höher, lohnt sich bei „Statement“-Regal.
- Massivholz: wohnlich, aber kann arbeiten. Für lange Spannweiten unbedingt mit durchdachter Konstruktion.
Innenaufteilung: Was kommt wohin, damit es nicht unruhig wirkt
Ein Raumteiler wird von zwei Seiten gesehen. Das ist der Unterschied zum Wandregal. Plane deshalb eine „Schauseite“ und eine „Arbeitsseite“.
Die 60-30-10-Regel (funktioniert in echten Wohnungen)
- 60 Prozent geschlossen: Boxen, Körbe, Türen oder Schubladenmodule für Kleinkram.
- 30 Prozent halb-offen: Bücher, Ordner (mit einheitlichen Rücken), Schalen für Alltagsdinge.
- 10 Prozent offen und leicht: 2 bis 3 Deko-Elemente, Pflanze, Leuchte. Nicht mehr.
Fachhöhen, die im Alltag Sinn ergeben
- 25 bis 28 cm: Taschenbücher, kleinere Boxen, Kabelkram in Schalen.
- 32 bis 35 cm: Ordner quer, größere Bücher, Standard-Aufbewahrungsboxen.
- 38 bis 42 cm: große Körbe, Spielzeugkisten, Technik (Router, Konsolen) mit Luft.
Trick gegen „Regal-Chaos“: eine einheitliche Boxenlinie
Wähle 2 Boxenformate, die in viele Fächer passen, und bleib dabei. In Deutschland bekommst du passende Systeme in vielen Möbelhäusern und Baumärkten. Entscheidend ist nicht die Marke, sondern: gleiche Höhe, gleiche Farbe, gleiche Grifflogik.
Kabel, Router, TV: Technik integrieren ohne Kabelsalat
Raumteiler-Regale landen oft zwischen Sofa und Essbereich oder neben dem Arbeitsplatz. Dort sammeln sich Kabel. Plane das von Anfang an, sonst sieht die Rückseite wie eine Abstellkammer aus.
Saubere Kabelwege in 3 Schritten
- 1) Strompunkt definieren: Welche Steckdose versorgt Regal und Geräte? Wenn sie fehlt: lieber flache Kabelkanäle entlang der Sockelleiste als lose Verlängerungen.
- 2) Vertikale Führung: Innen hinten ein selbstklebender Kabelkanal oder Spiralband, damit Kabel nicht frei hängen.
- 3) Gerätefach: Ein Fach als Technikzone: Mehrfachsteckdose fest verschraubt oder mit Klettpads, genügend Luft (Wärmeabfuhr).
WLAN und Router im Regal: so bleibt das Signal gut
- Router nicht in eine Metallbox und nicht direkt hinter Bücherreihen „einmauern“.
- Offenes Fach auf Schulterhöhe ist oft ideal.
- Wenn du eine Rückwand nutzt: in Router-Fächern Ausschnitt oder Kabeldurchlass vorsehen.
Akustik und Wohlgefühl: Der Raumteiler soll nicht nur trennen, sondern verbessern
Ein Regal kann den Raum akustisch beruhigen, wenn es richtig befüllt ist. Bücher und Textilien wirken als Streuung und leichte Absorption. Ein komplett leeres Regal macht dagegen eher Hall, weil es harte Flächen addiert.
So nutzt du das Regal als „leisen“ Raumtrenner
- Mindestens ein Drittel der Fächer mit Textil (Körbe, gefaltete Decken) oder Büchern füllen.
- Auf der Seite zum TV: Bücher und Körbe wirken oft besser als Glas und Deko.
- Wenn es sehr hallig ist: einzelne Rückwände mit Filz oder dünnem Akustikvlies hinterlegen (unsichtbar, aber spürbar).
Montage und Sicherheit: so machst du es sauber und mieterfreundlich
Bei Raumteilern ist Kippsicherung das Thema Nummer eins. Auch wenn das Regal schwer wirkt: seitliche Schubkräfte (Kinder ziehen, Staubsauger stößt an, Hund rennt vorbei) reichen zum Kippen.
Wenn du bohren darfst: Wandfixierung richtig machen
- Prüfe Wandtyp: Altbau oft Ziegel, Neubau oft Beton oder Trockenbau.
- Nutze passende Dübel und Schraubenlänge, kein „Universal und wird schon“.
- Winkel oben an stabilen Punkten verschrauben, nicht nur in dünner Rückwand.
Wenn du nicht bohren willst: bessere Alternativen als „einfach hinstellen“
- Regal niedriger wählen (120 bis 140 cm) und mit breitem Sockel stabilisieren.
- Schwere Dinge nach unten: Bücher unten, Deko oben.
- Anti-Rutsch-Matten unter die Standflächen, besonders auf Parkett und Vinyl.

Beispiel-Setups aus der Praxis (für typische deutsche Wohnungen)
1) 2-Zimmer-Wohnung, 55 m²: Wohnen und Arbeiten trennen
- Regalhöhe 140 cm, Tiefe 35 cm.
- Schauseite zum Wohnzimmer: 2 Reihen Bücher, 3 Körbe, 1 Pflanze, 1 Leuchte.
- Arbeitsseite: Ordner und geschlossene Boxen, Kabelkanal zur Steckdose.
- Durchgang 100 cm, damit der Raum nicht „geteilt“ wirkt, sondern zoniert.
2) Offener Neubau, 75 m²: Essbereich von Sofa abgrenzen
- Regal parallel zur Sofarückseite, Länge 120 bis 160 cm.
- Teilrückwand in 2 bis 3 Feldern zur Aussteifung und als Spritzschutz, falls Küche nah ist.
- Unterste Ebene: große Körbe für Tischdecken, Spiele, Kerzen.
3) Altbau, 40 m² Studio: Schlafzone abtrennen ohne Dunkelheit
- Regalhöhe 160 cm, aber mit offenen oberen Fächern.
- Unten geschlossen (Boxen), oben offen (leichte Elemente).
- Schlafseite bewusst ruhiger halten: wenig visuelle Reize, maximal 2 offene Fächer.
Typische Fehler und wie du sie vermeidest
- Zu tiefe Regale (45+ cm) in schmalen Räumen: Laufweg wird eng. Lösung: 30 bis 35 cm Tiefe oder kürzeres Regal.
- Alles offen, alles sichtbar: wirkt nach 2 Wochen unordentlich. Lösung: 60 Prozent geschlossen planen.
- Keine Kippsicherung: Sicherheitsrisiko. Lösung: Sockel verbreitern oder fixieren.
- Uneinheitliche Boxen: optische Unruhe. Lösung: 1 bis 2 Boxentypen, ein Farbschema.
- Rückseite ignoriert: die sieht man oft zuerst beim Reinkommen. Lösung: Rückseite als „Schauseite“ definieren.
Podsumowanie
- Standort über Laufwege planen: 90 bis 120 cm Durchgang einhalten.
- Regaltiefe passend wählen: meist 30 bis 35 cm, bei Ordnern eher 40 cm.
- Kippsicherung einplanen: Sockel, Wandfixierung oder Deckenverspannung.
- Innenaufteilung nach 60-30-10: viel geschlossen, wenig Deko.
- Kabel und Technik mit eigenem Fach und Kabelkanal lösen.
- Beide Seiten gestalten: eine Seite repräsentativ, eine funktional.
FAQ
Wie hoch sollte ein Raumteiler-Regal sein, damit es nicht erdrückt?
In den meisten Wohnungen funktionieren 120 bis 140 cm am besten. Für mehr Sichtschutz sind 160 cm ok, dann aber mit Kippsicherung und offenen oberen Fächern.
Kann ich ein offenes Regal frei im Raum aufstellen ohne zu bohren?
Ja, aber nur mit Maßnahmen: niedriger bauen (bis ca. 140 cm), Gewicht nach unten, breiter Sockel und Anti-Rutsch-Pads. Bei 180 cm Höhe ist Bohren oder Verspannen praktisch Pflicht.
Was ist besser: Regal mit Rückwand oder komplett offen?
Teilrückwände in einzelnen Fächern sind der beste Kompromiss: mehr Stabilität und Blickschutz, ohne dass der Raum dunkel wird. Komplett offen wirkt leichter, ist aber wackeliger und unruhiger.
Wie verhindere ich, dass das Regal schnell unordentlich aussieht?
Plane feste Zonen: unten große Körbe für Alltagskram, mittig Bücher/Ordner in Reihe, oben nur wenige leichte Deko-Elemente. Und nutze 1 bis 2 einheitliche Boxenformate.