Flurgeräusche, klappernde Türen, Stimmen aus dem Wohnzimmer oder das Homeoffice, das jedes Geräusch aus der Küche mitnimmt: In vielen deutschen Wohnungen ist nicht die Wand das Problem, sondern die Tür. Und die gute Nachricht: Du kannst eine Menge erreichen, ohne die Tür komplett zu tauschen.
Dieser Leitfaden ist für typische Innentüren (Röhrenspan, Wabenkern, einfache Zargen) und Mietwohnungen gedacht. Du bekommst konkrete Maßnahmen, in welcher Reihenfolge sie sinnvoll sind, welche davon wirklich hörbar etwas bringen und wo sich der Aufwand nicht lohnt.
Wichtig vorab: „Schalldicht“ im echten Sinne schaffen Innentüren selten. Ziel ist: deutlich weniger Durchdringung von Stimmen, TV, Flurtrittschall und Küchenklappern.
Erst messen, dann dichten: Schnelltest und Ursachen in 10 Minuten
Bevor du Material kaufst, mach zwei Mini-Tests. So siehst du, ob dein Hauptleck unten, seitlich oder am Schloss liegt.
Test 1: Lichtspalt-Test. Abends Licht im Flur an, Raum dunkel. Tür schließen und von innen schauen: Wo siehst du Licht? Genau da geht auch Schall durch.
Test 2: Papierstreifen-Test. Papier (80 g/m²) in den Falz legen, Tür schließen, Papier ziehen. Lässt es sich leicht rausziehen, ist die Dichtung dort wirkungslos oder fehlt.
Typische Ursachen in deutschen Bestandswohnungen:
- Großer Spalt unter dem Türblatt (8-15 mm), besonders bei neuem Bodenbelag.
- Keine oder verhärtete Falzdichtung in der Zarge.
- Türblatt leicht verzogen, Schloss zieht nicht „in den Anschlag“.
- Schlüsselloch und Drückergarnitur undicht (Luftzug, Stimmen).
- Hohl klingendes Türblatt (Wabenkern) lässt mehr Schall durch als Vollspan.
| Maßnahme | Wirkung | Typischer Aufwand |
| Absenkdichtung unten | sehr hoch bei Flurgeräuschen | 30-90 min |
| Neue Falzdichtung in der Zarge | hoch bei Stimmen | 20-45 min |
| Schließblech nachstellen | mittel bis hoch | 10-20 min |

Die Reihenfolge, die in der Praxis am meisten bringt
Wenn du alles auf einmal machst, gibst du oft Geld für Nebenschauplätze aus. Diese Reihenfolge ist in Wohnungen am effizientesten:
- 1) Spalt unten schließen (Absenkdichtung oder Schwelle)
- 2) Falz umlaufend abdichten (Zargendichtung erneuern)
- 3) Tür richtig in den Anschlag ziehen (Schließblech/Schlossfalle)
- 4) Lecks am Beschlag reduzieren (Schlüsselloch, Drücker)
- 5) Erst dann Türblatt aufrüsten oder tauschen
Maßnahme 1: Absenkdichtung nachrüsten (der Gamechanger unten)
Der Spalt unter der Tür ist oft die größte „Schall-Autobahn“. Eine Absenkdichtung (automatische Bodendichtung) senkt beim Schließen eine Gummilippe ab und dichtet zum Boden hin ab. Vorteil: Du musst keine hohe Schwelle montieren und kommst trotzdem mit unterschiedlichen Bodenhöhen zurecht.
Welche Absenkdichtung passt?
- Aufschraub-Absenkdichtung: ideal in Mietwohnungen, wenig Werkzeug, sichtbar.
- Einnutz-Absenkdichtung: unsichtbar, aber du brauchst eine Nut im Türblatt (Oberfräse oder Tischler).
Praxis-Tipp: Wenn du Laminat/Vinyl mit Trittschalldämmung hast, wähle eine Lippe, die leichte Unebenheiten toleriert. Zu „hart“ eingestellt führt zu Schleifgeräuschen und schnellerem Verschleiß.
Montage in Kurzform (Aufschraub-Version)
- Tür schließen, Spalt unten messen (mehrere Punkte).
- Absenkdichtung auf Länge kürzen (Metallsäge, Kanten entgraten).
- An der Bandseite beginnen: Dichtung bündig ausrichten, vorbohren (2 mm), verschrauben.
- Auslöser (kleiner Stift) so einstellen, dass die Lippe kurz vor vollständig geschlossenem Zustand absenkt.
- Test: Papier unter der Tür durchziehen. Es soll spürbar klemmen, aber die Tür nicht hochdrücken.
Maßnahme 2: Zargendichtung erneuern (Falz umlaufend dicht bekommen)
Viele Zargen haben gar keine Dichtung oder eine alte, platt gedrückte. Eine neue Falzdichtung reduziert Luftschall deutlich, besonders Stimmen und TV.
So findest du das richtige Profil
- Gibt es eine Nut in der Zarge? Dann brauchst du eine Einsteckdichtung (Nutdichtung).
- Keine Nut? Dann nimm eine Selbstklebende Dichtung (EPDM oder Silikon).
- Miss die Spaltbreite: häufig 2-4 mm. Nimm lieber ein Profil, das bei leichtem Druck abdichtet, aber nicht „zu fett“ ist.
Montage ohne Frust
- Alte Dichtung komplett entfernen, Klebereste mit Isopropanol lösen.
- Zarge staubfrei und trocken wischen.
- Oben beginnen, umlaufend arbeiten, an den Ecken sauber auf Stoß schneiden (keine Überlappung).
- Tür schließen und prüfen: Sie muss ohne Gewalt ins Schloss fallen.
Typischer Fehler: Zu dicke Dichtung. Dann knallt die Tür nicht mehr sauber zu, und du verlierst die Wirkung, weil sie nicht im Anschlag sitzt.
Maßnahme 3: Schließblech nachstellen, damit die Tür wirklich „anzieht“
Wenn die Tür nicht satt in den Anschlag gezogen wird, bleibt immer ein Spalt, auch mit guter Dichtung. Häufig ist das Schließblech minimal falsch positioniert oder die Falle greift zu locker.
Quick Fix in 15 Minuten
- Tür schließen, am Türblatt drücken: Bewegt sie sich im Schlossbereich? Dann ist Spiel vorhanden.
- Schließblech-Schrauben lösen, Blech minimal versetzen (oft reicht 1 mm).
- Bei Bedarf die Öffnung im Blech minimal nachfeilen, damit die Falle tiefer greift.
- Test: Tür schließen, es sollte ein klarer, satter „Klick“ sein, ohne dass du drücken musst.
Mietwohnung: Das ist in der Regel rückbaubar und unkritisch, solange du nichts an der Zarge ausbrichst. Kleine Feilspuren am Blech sind meist unauffällig.
Maßnahme 4: Lecks an Drücker und Schlüsselloch reduzieren
Gerade bei Altbau-Türen ist das Schlüsselloch ein echter Schallkanal. Auch lockere Rosetten lassen Luft ziehen.
Praktische Lösungen
- Schlüsselloch-Abdeckung: einfache Innen-Abdeckungen oder Filzblenden. Bringt mehr, als viele denken.
- Rosetten nachziehen: Schrauben festziehen, ggf. dünne Dichtscheibe (Moosgummi) dahinter.
- Türspion/Bohrungen: ungenutzte Löcher mit passenden Stopfen schließen.
Maßnahme 5: Türblatt dämpfen oder aufrüsten (wenn es „hollow“ klingt)
Wenn dein Türblatt ein typisches Wabenkernblatt ist, hörst du oft schon beim Klopfen den hohlen Klang. Dichtungen helfen dann zwar gegen Leckschall, aber das Blatt selbst überträgt weiterhin Geräusche.
Was realistisch ist (und was nicht)
- Türblatt tauschen auf schwereres Vollspanblatt: spürbar bessere Schalldämmung, aber teurer und Maßarbeit wegen Zarge/Bändern.
- Zusatzmasse aufkleben (z.B. dünne Akustik- oder Schwerfolie mit Deckplatte): technisch möglich, optisch heikel, Kanten sauber ausführen. Achtung auf Türbänder: mehr Gewicht.
- „Akustik-Schaum“ auf der Tür: bringt für Luftschalldämmung durch die Tür fast nichts, verbessert eher Raumhall.
Praxis-Empfehlung: In Mietwohnungen zuerst unten und im Falz abdichten. Wenn du dann immer noch unzufrieden bist, lohnt sich eher ein Türblattwechsel als Bastellösungen.
Maßnahme 6: Die Lücke zwischen Zarge und Wand prüfen
In manchen Wohnungen ist die Zarge zwar optisch sauber, aber hinter der Bekleidung gibt es Hohlräume. Dann kommt Schall seitlich „durch“ statt „um“ die Tür herum.
Erkennen und beheben
- Klopf-Test an der Zargenbekleidung: klingt es hohl, könnte dahinter Luft sein.
- Kleine Fugen außen (Acrylfuge) schließen, wenn sichtbar Risse vorhanden sind.
- Bei großen Hohlräumen: Das ist eher ein Fall für Ausbau/Neuverschäumen, oft nicht mietfreundlich.
Maßnahme 7: Schall aus dem Flur reduzieren, statt nur die Tür zu „panzern“
Manchmal ist der Flur selbst der Verstärker: harte Böden, kahle Wände, hohe Nachhallzeit. Dann wirkt jede Tür schlechter, als sie ist.
3 schnelle Flur-Hebel (ohne Baustelle)
- Läufer mit rutschfester Unterlage (80-100 cm breit): reduziert Trittschall und Klackern.
- Wandtextil oder große Bilder mit Akustikvlies an der langen Flurwand.
- Türanschlag leiser machen: kleine Filzpads am Anschlagpunkt, damit es nicht knallt.

Kosten und Nutzen: realistische Budgets in Deutschland
Als grobe Orientierung (ohne Marken, abhängig von Türbreite und Qualität):
- Selbstklebende Zargendichtung: ca. 10-25 EUR pro Tür
- Nutdichtung: ca. 15-35 EUR pro Tür
- Aufschraub-Absenkdichtung: ca. 25-70 EUR pro Tür
- Einnutz-Absenkdichtung (Material): ca. 40-120 EUR, plus Werkzeug/Handwerker
- Türblatt (schwerer): oft 120-300 EUR, plus Anpassung/Beschläge
Faustregel aus der Praxis: Für 40-100 EUR pro Tür (Dichtung + Absenkdichtung + Nachstellen) erreichst du in vielen Wohnungen den größten Sprung.
Fehler, die die Wirkung ruinieren
- Zu dicke Dichtungen und die Tür schließt nur mit Druck: dann bleibt sie oft minimal offen.
- Absenkdichtung schleift: wird hochgestellt oder abgenutzt, Dichtwirkung weg.
- Nur oben/seitlich abdichten und unten offen lassen: Flurgeräusche bleiben.
- Türblatt hängt und streift: erst Bänder nachstellen, dann abdichten.
- Billige Schaumdichtung in stark genutzten Türen: nach kurzer Zeit platt.
Podsumowanie
- Mit Lichtspalt- und Papier-Test findest du die Lecks in Minuten.
- Der größte Hebel ist fast immer der Spalt unten: Absenkdichtung nachrüsten.
- Zargendichtung erneuern bringt spürbar weniger Stimmen und TV durch die Tür.
- Schließblech nachstellen, damit die Tür wirklich in den Anschlag gezogen wird.
- Beschlag-Lecks (Schlüsselloch, Rosetten) nicht vergessen.
- Wenn das Türblatt hohl ist: erst abdichten, dann über schwereres Türblatt nachdenken.
FAQ
Welche Maßnahme bringt am meisten gegen laute Flurgeräusche?
Fast immer die Kombination aus Absenkdichtung unten und neuer Falzdichtung. Der Boden-Spalt ist meist das größte Leck.
Kann ich das in einer Mietwohnung machen, ohne Ärger?
Selbstklebende Dichtungen, Filzpads und eine aufgeschraubte Absenkdichtung sind in der Regel rückbaubar. Bei Einnutz-Dichtungen oder Türblattwechsel vorher klären.
Warum wird die Tür nach dem Abdichten schwer zu schließen?
Meist ist die Dichtung zu dick oder das Schließblech steht nicht korrekt. Dichtung gegen ein passenderes Profil tauschen und Schließblech nachstellen.
Lohnt sich ein Türvorhang statt Dichtungen?
Ein schwerer Vorhang kann subjektiv helfen, ersetzt aber keine Dichtung. Sinnvoll als Zusatz, wenn du im Raum ohnehin Textilien brauchst und der Flur stark hallt.